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Prozess nach bislang größter Dynamo-Randale

Am Montag beginnt die erste reguläre Verhandlung gegen Fußball-Chaoten vom Mai 2021. Mehr als 600 Verdächtige sind im Visier von Polizei und Justiz.

Von Alexander Schneider
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Am 16. Mai 2021 haben Fußball-Chaoten mehrere Stunden lang Polizisten mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik beworfen. Am Montag beginnt der erste reguläre Prozess gegen zwei Angeklagte vor dem Amtsgericht Dresden.
Am 16. Mai 2021 haben Fußball-Chaoten mehrere Stunden lang Polizisten mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik beworfen. Am Montag beginnt der erste reguläre Prozess gegen zwei Angeklagte vor dem Amtsgericht Dresden. ©  Foto: dpa/Robert Michael

Dresden. Nach den schweren Ausschreitungen Dresdner Fußball-Chaoten im Mai 2021 Beginnt am Montag der erste reguläre Prozess vor dem Amtsgericht Dresden. Zwei Männer im Alter von 24 und 30 Jahren wird unter anderem schwerer Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Polizei und Staatsanwaltschaft Dresden ermitteln noch immer mit Hochdruck gegen zuletzt mehr als 600 Täter, die herausgearbeitet werden konnten. Es gelang den Beamten der "Sonderkommission Hauptallee" mehr als 230 zu identifizieren, viele haben sich nach der Veröffentlichung von Fahndungsbildern selbst gestellt. Rund 70 Ermittlungsverfahren wurden bis zum Jahresende abgeschlossen – die meisten Beschuldigten wurden am Amtsgericht Dresden angeklagt. Einige wenige landeten aber auch am Landgericht Dresden.

Versammlung trotz Verbot

Mit einem 4:0-Heimsieg über Türkgücü München hatte Dynamo Dresden am Sonntag, 16. Mai, den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht. Mehrere tausend Dynamo-Anhänger hatten ihre Mannschaft vor dem Stadion unterstützt – trotz Corona-Auflagen und Versammlungsverbot. Noch während des Spiels kam es zu massiven Ausschreitungen vor dem Stadion und im angrenzenden Großen Garten, die mehrere Stunden andauerten.

Die Uniformierten wurden unter anderem mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen beworfen, Täter errichteten Barrikaden. Mehr als 180 Beamte und mehrere Journalisten wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei hat im November mehr als 80 Stunden Videomaterial ausgewertet und einzelne Verdächtigen mehr als 30 Flaschen- und Steinwürfe nachweisen.

Bereits im Juli hatte ein erster Gewalttäter am Amtsgericht in einem sogenannten beschleunigten Verfahren eine Bewährungsstrafe erhalten. Das Landgericht Dresden änderte das Urteil gegen den 35-Jährigen im Dezember in eine zehnmonatige unbedingte Haftstrafe ab – doch rechtskräftig ist die Entscheidung bis heute nicht.

Drei Prozesse im Januar

In diesem Monat beginnen vor dem Amtsgericht Dresden neben dem Prozess gegen die beiden inhaftierten Männer noch zwei weitere Hauptverhandlungen gegen mutmaßliche Fußball-Chaoten, teilte das Amtsgericht am Freitag mit. Dabei handelt es sich um eine Sache vor einem Schöffengericht und eine vor einem Jugendschöffengericht, weil der Angeklagte zur Tatzeit heranwachsend war. Allen Angeklagten wird unter anderem schwerer Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Gegen die beiden Erwachsenen, die am Montag den Auftakt machen, hatte die Staatsanwaltschaft zunächst vor dem Landgericht Dresden Anklage erhoben. Doch die Strafkammer ging davon aus, dass die Strafkompetenz eines Schöffengerichts, das bis zu vier Jahre verhängen kann, ausreichend sei, und eröffnete das Hauptverfahren daher zum Amtsgericht.

Die Angeklagten sollen über einen längeren Zeitraum immer wieder Polizisten angegriffen haben und sitzen seit Juli in Untersuchungshaft. Die Männer waren bereits strafrechtlich wegen Raubstraftaten aufgefallen, der jüngere hat für Gewalttaten als Mitglied der rechtsextremen „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD) eine dreieinhalbjährige Jugendstrafe verbüßt. Das Schöffengericht hat vorerst drei Verhandlungstage eingeplant. Den Anklagen drohen mehrjährige Freiheitsstrafen.