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Was Dynamo nach dem Remis gegen Aufsteiger Essen bleibt

Dynamo bleibt im siebten Spiel in Folge ohne Niederlage, doch die Mannschaft zeigte erneut eine schwache Leistung. Was Trainer und Spieler zu dem Unentschieden sagen.

Von Timotheus Eimert
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Ein später Jubel: In der 89. Minute trifft der eingewechselte Manuel Schäffler - nach einer Vorlage von Sturm-Partner Stefan Kutschke - zum 1:1-Endstand.
Ein später Jubel: In der 89. Minute trifft der eingewechselte Manuel Schäffler - nach einer Vorlage von Sturm-Partner Stefan Kutschke - zum 1:1-Endstand. © Picture Point / Gabor Krieg

Essen. Eigentlich wollte Dynamo Dresden an die Leistung der Vorwoche anknüpfen. Doch gegen Aufsteiger Rot-Weiss Essen kam der Fußball-Drittligist trotz 38 Minuten Überzahl nicht über ein 1:1 hinaus. Vor 18.300 Zuschauer, darunter 1.500 Fans aus Dresden, geriet Dynamo in der 23. Minute durch einen Fehler von Torhüter Stefan Drljaca im Spielaufbau in Rückstand und konnte erst in der 89. Minute durch den eingewechselten Manuel Schäffler ausgleichen.

„Ich kann mir es mir nicht erklären – nach einem Spiel wie in der letzten Woche, wo wir eigentlich mit einer breiten Brust hätten rauskommen und geilen Fußball spielen müssen“, sagte Vize-Kapitän Stefan Kutschke anschließend. „Es war alles angerichtet – ein geiles Stadion, leichter Nieselregen, ein nasser Platz. Mehr brauchst du doch nicht. Da muss jeder vor den Spiegel schauen und sich fragen, ob das alles war, was er rausgeholt hat.“ Die wichtigsten Fragen und Antworten des Remis:

Wie geriet Dynamo in Rückstand?

So langsam dürfte Trainer Markus Anfang verzweifeln. Denn wieder unterläuft seinem Team ein individueller Fehler, der zu einem Tor führt. „Wir haben gegen 1860 München ein Eigentor gemacht, das hatte weniger mit dem Torwart zu tun. Letzte Woche hat Michael Akoto ein schönes Eigentor gemacht, das hatte auch wenig mit dem Torwart zu tun“, sagte Anfang.

Denn dieses Mal ist es ausgerechnet Torhüter Stefan Drljaca, der patzt. Eigentlich zählt der Spielaufbau zu seinen Stärken, doch in der 23. Minute hätte er den Ball einfach nach vorn klären sollen. Er wollte den Ball jedoch direkt auf Jonathan Meier weiterleiten, doch dabei schoss er Isiah Young. Der Ball prallte direkt ins leere Tor.

„Ich muss die Situation bei aller Hektik cooler lösen. Die erste Halbzeit war generell hektisch, da darf ich mich nicht anstecken lassen und muss zwei Kontakte nehmen, statt einen. Dann passiert das nicht“, sagte Drljaca selbstkritisch. Anfang sah den Fehler aber nicht bei seinem Torhüter. „Wir gewinnen als Mannschaft, wir verlieren als Mannschaft und wenn wir Fehler machen, ist es nicht nur der, der den Fehler gemacht hat, sondern da sind wir alle gefragt“, sagte er.

Man habe Drljaca in eine schwierige Situation gebracht, meinte Anfang zudem. „Wir wussten, dass Rot-Weiss Essen bei jedem Rückpass auf den Torwart durchläuft und immer wieder Druck erzeugt. Und deswegen war auch ganz elementar wichtig, bei einem Rückpass sofort in eine Ordnung reinzukommen, dass Anspielstationen da sind. Da ist nicht nur Drille verantwortlich, sondern da gibt es auch Mitspieler“, sagte er.

Wie bewerten die Spieler die erste Halbzeit?

In der ersten Halbzeit zeigte Dynamo eine schwache Leistung. Nach dem vor allem in der zweiten Hälfte guten Auftritt gegen Osnabrück überraschte dies auch die Spieler selbst. „Ich weiß nicht, ob wir es uns nicht trauen, auswärts unseren Fußball zu spielen, ich kann es nicht sagen. Uns fehlen selbst die Worte. Wir sitzen in der Halbzeit und wissen nicht, was los ist“, sagte Claudio Kammerknecht, der noch zu Dynamos Besten gehörte.

Und Drljaca meinte: „Essen war giftig, ist uns richtig auf die Nerven gegangen und hat uns zu Fehlern gezwungen, die wir dann leider gemacht haben. Erklären kann sich das keiner von uns. Wir alle wissen, was wir leisten können.“ Erneut wirkte die Mannschaft zu fahrig in den Zweikämpen, hatte kaum eine Torchance. Die Spieler hatten mehr mit sich selbst zu tun.

„Wir haben unter der Woche vom nächsten Entwicklungsschritt gesprochen. Die erste Halbzeit war ein klarer Schritt zurück. Das muss man so klar und deutlich sagen“, analysierte Stürmer Kutschke. „Keiner war in der Lage, seinen Nebenmann einzusetzen, wir haben unsaubere Pässe gespielt, waren langsam im Kopf. Eigentlich haben wir mit den Situationen, die wir zugelassen haben, den Gegner stark gemacht.“

Wie kam Dynamo nach der Pause zurück?

In der zweiten Halbzeit legte Dynamo einen anderen Auftritt hin. Plötzlich zeigte die Mannschaft ihre offensive Qualitäten, tauchte auch vor dem Essener Tor auf. „In der zweiten Halbzeit haben wir wesentlich besser gespielt“, sagte Anfang. Ab der 51. Minute war sein Team zudem in Überzahl. Nach einem taktischen Foul von Jonathan Meier an Wiegel gerieten die beiden Spieler aneinander, bis Wiegel gegen Meiers Bein tritt und mit dem Arm nachschlägt. Dafür wurde der Essener vom Platz gestellt, Meier kassierte Gelb.

„Hier in dem Stadion, mit den Fans, mit der Leidenschaft, muss das nicht immer zwangsläufig ein Vorteil sein“, meinte Anfang. Dynamo drückte in der Folge, zwingende Torchancen gab es aber nur wenige. Eine davon nutze der eingewechselte Schäffler eine Minute vor dem Ende.

Zuvor hätte Dynamo noch einen Elfmeter bekommen müssen. Nach einer Flanke von Dennis Borkowski geht die Hand von Daniel Heber an den Ball - der Angreifer fordert einen Elfmeter. Schiedsrichter Tom Bauer lässt weiterspielen. Nach Betrachtung der TV-Bilder ist das eine Fehlentscheidung, einen Videobeweis gibt es in der 3. Liga nicht.

Anfang kann mit dem Punkt leben, „weil du die ersten 30 Minuten schlecht gespielt hast. Essen ist in dieser Phase sehr gut“. Kutschke sagte: „Wir haben nicht gut gespielt, aber gepunktet. Wir müssen mit dem Punkt leben. Das Spiel ist Vergangenheit, wir können es leider nicht mehr besser machen.“

Blieb es nach den Bayreuth-Randalen dieses Mal ruhig?

Vor und unmittelbar nach dem Spiel lief nach ersten Erkenntnissen alles ruhig ab. Vor dem Spiel verlasen beide Mannschaftskapitäne eine Erklärung ihrer Mannschaften vor. Darin lehnten sie jede Form von Gewalt. „Sowohl im Stadion, als auch außerhalb davon. Was am Rande unseres Auswärtsspiels in Bayreuth passierte, widerspricht allen Grundsätzen, für die wir als Sportgemeinschaft stehen und haben absolut nichts mit unserem Selbstverständnis als Traditionsverein mit einer großartigen Fankultur zu tun“, sagte Tim Knipping.

Es ist das erste Mal, dass sich die Spieler in einer solchen Angelegenheit unmittelbar an die eignen Anhänger wenden. „Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass gewaltbereite Straftäter aus unserer Mitte und dem Stadion verschwinden“, erklärte der Kapitän, der dafür Applaus von den Rängen bekam.

„Diese Aktion war mit den Verantwortlichen aus Dresden und unseren Verantwortlichen abgesprochen. Es sollte ein Statement ein. Ich denke, dass es auch eine Wirkung erzielt hat. Wir alle lieben den Fußball und wollen den Fußball in den Vordergrund stellen. Aggressivität und Randale gehören nicht dazu. Deswegen distanzieren wir uns davon“, sagte Essens Trainer Christoph Dabrowski anschließend dazu.

Welche Besonderheit steckte hinter Dynamos Aufstellung?

Eigentlich gab es in Dynamos Startelf keine Überraschung. Anfang ließ dieselben elf Spieler wie in der Vorwoche gegen den VfL Osnabrück von Beginn an ran. Doch genau das war die Besonderheit. Erstmals in dieser Saison startet der Trainer mit derselben Aufstellung. Am Donnerstag hatte er auf der Spieltagspressekonferenz betont, dass jeder Spieler die Chance habe, sich in der Woche für die Startelf zu empfehlen.

„Wenn man die letzte Woche gesehen hat, da haben wir immer gewechselt“, sagte der Trainer. „Das gibt es irgendwo, um eine gewisse Stabilität in einer Mannschaft zu bekommen. Allerdings bin ich auch Trainer und muss den Leistungsgedanken leben. Ich muss immer die Tür auflassen.“