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Bob-WM 2021

Bob-WM: Friedrich fährt im Schnee vornweg

Der Rekordweltmeister aus Pirna ist trotz schwieriger Bedingungen in Altenberg auf dem besten Weg zum nächsten Titel. Er selbst freut sich verhalten.

Wieder eine Klasse für sich: Der Pirnaer Francesco Friedrich ist in Altenberg auf dem besten Weg zum zehnten WM-Titel.
Wieder eine Klasse für sich: Der Pirnaer Francesco Friedrich ist in Altenberg auf dem besten Weg zum zehnten WM-Titel. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Altenberg. Nichts und niemand kann ihn aufhalten auf seiner Rekordjagd, offenbar auch nicht das von ihm am meisten gefürchtete schlechte Wetter. Bei dichtem Schneefall ist Bobpilot Francesco Friedrich am Samstagmittag einmal mehr der Konkurrenz davongefahren und liegt bei der WM auf seiner Heimbahn in Altenberg mit großem Vorsprung in Führung. Nach zwei von vier Läufen im Zweierbob hat der Pirnaer, erstmals bei einer WM von Alexander Schüller angeschoben, bereits 0,88 Sekunden zwischen sich und dem Rest der Welt gebracht.

Friedrich ist damit auf dem besten Weg zu seinem siebenten Zweier-Titel hintereinander und dem zehnten WM-Sieg insgesamt - die nächste Bestmarke der überaus erfolgreichen Karriere. "Alles bestens", sagte Friedrich danach - und mit Blick nach oben: "Wir sind erst mal zufrieden, dass wir bei den Bedingungen ein gutes Polster haben für den zweiten Tag. Denn das ist nicht unbedingt unser Lieblingswetter."

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Trotzdem fuhr der Ausnahmeathlet des BSC Sachsen Oberbärenburg wieder in einer eigenen Liga und verpasste trotz des Schnees den Startrekord von 5,11 Sekunden nur um 0,01 Sekunden. "Kein Problem. Wir wussten, dass es diesmal nicht so schnell geht", erklärte Friedrich, mit bislang neun WM-Titeln noch zusammen mit dem Italiener Eugenio Monti der Rekordweltmeister. Das dürfte sich nun am Sonntagnachmittag ändern, zu groß ist die Überlegenheit.

Schon am Start demontiert Friedrich die Konkurrenz. Zusammen mit seinem Anschieber Alexander Schüller gelingt ihm zweimal die mit Abstand beste Zeit auf den ersten 50 Metern.
Schon am Start demontiert Friedrich die Konkurrenz. Zusammen mit seinem Anschieber Alexander Schüller gelingt ihm zweimal die mit Abstand beste Zeit auf den ersten 50 Metern. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Auf Platz zwei liegen bei Halbzeit Friedrichs Teamkollegen Johannes Lochner/Eric Franke - als Beste vom Rest und überhaupt nicht zufrieden, wie Lochner deutlich machte: "Die Fahrten waren unter aller Sau, das war das Schlechteste, was ich hier seit langer Zeit abgeliefert habe." Der Mann vom Königssee führte das vor allem auf die äußeren Bedingungen zurück, will am Sonntag aber unbedingt wie im Vorjahr die Silbermedaille gewinnen.

Nur 0,05 Sekunden hinter ihm folgen überraschend die Schweizer Michael Vogt/Sandro Michel sowie auf Platz vier mit 0,15 Sekunden Rückstand auf Silber dann der Oberhofer Hans-Peter Hannighofer mit Anschieber Christian Röder. "Das ist ziemlich unglaublich, vor allem weil wir auch einige Fehler gemacht haben. Unser Ziel war Top 8, alles darüber hinaus ist Zusatz", sagte Hannighofer, der mit seinem Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft vor zwei Wochen den Deutschen einen vierten Startplatz sicherte. Den nimmt das Team Christoph Hafer/Christian Hammers ein - als Siebente.

Davor und dahinter platziert hat sich die bereits geschlagene Weltklasse mit den Letten Oskars Kibermanis (Platz 6, +1,19 sek. auf Friedrich) und Oskars Melbardis (9., +1,42) sowie Justin Kripps aus Kanada (10., +1,44). Der Österreicher Benjamin Maier, ein weiterer Medaillenkandidat, hat mit einem Sturz im zweiten Lauf ebenfalls bereits alle Chancen auf eine vordere Platzierung vergeben - wobei der WM-Titel schon im Vorfeld de facto nur für Friedrich reserviert gewesen ist.

Mit Benjamin Maier ist einer der Kandidaten für die Medaillenplätze ausgeschieden. Der Österreicher, gut mit Francesco Friedrich befreundet, stürzte im zweiten Lauf nach einem Fahrfehler bei der Kreisel-Ausfahrt.
Mit Benjamin Maier ist einer der Kandidaten für die Medaillenplätze ausgeschieden. Der Österreicher, gut mit Francesco Friedrich befreundet, stürzte im zweiten Lauf nach einem Fahrfehler bei der Kreisel-Ausfahrt. © Screenshot

Schon der erste Lauf war eine Machtdemonstration des Dominators - und erinnerte frappierend an das Vorjahr. Wieder ging Friedrich mit Startnummer vier als erster der Top-Piloten in die Bahn, wieder war er am Start der Schnellste (und noch mal 0,01 Sekunden schneller), wieder stand im Ziel die mit großem Abstand beste Zeit. Doch anders als 2020 lag Friedrich diesmal nicht nur 0,49 Sekunden vor dem Zweitplatzierten, sondern 0,52 Sekunden. Und seine Top-Geschwindigkeit in der Bahn war mit 128,9 km/h auch noch mal rund 2,5 km/h höher - trotz der widrigen Bedingungen diesmal.

Vor einem Jahr hatte Friedrich zusammen mit Anschieber Thorsten Margis in 54,00 Sekunden noch einen Bahnrekord aufgestellt. Doch darum ging es diesmal nicht, bei den Bedingungen ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Mit 54,83 Sekunden blieb er dennoch als einziger unter der 55-Sekunden-Marke.

Auch Altenberg sorgt in diesen Tagen für ein Novum

Daumen hoch, kurzes Augenzwinkern: Friedrichs Geste beim Aussteigen aus seinem Schlitten vom FES-Institut Berlin signalisierte die kurze, aber eindeutige Botschaft: Läuft! Zudem war es ein Zeichen höchster Zufriedenheit verbunden mit der für diesen Tag vermutlich noch wichtigere Erkenntnis: Auch der Schnee wird ihn nicht stoppen können.

Die endgültige Entscheidung aber fällt erst am Sonntagnachmittag ab 14.30 Uhr, noch größere Wetterkapriolen nicht ausgeschlossen. Der vierte Lauf wird dann um 16 Uhr gestartet. Bereits am Samstagnachmittag sind die Frauen gefordert mit den entscheidenden Läufen drei und vier - und zwei deutschen Teams mit sehr guten Medaillenchancen.

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