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In welchem Teil Dresdens gibt es die meisten Corona-Fälle?

Meistgelesen: Das Rathaus legt erstmals detaillierte Zahlen vor. Und erklärt, warum Gorbitzer und Prohliser beim Impfen nicht bevorzugt werden.

In welchen Dresdner Stadtteilen leben die Corona-Infizierten?
In welchen Dresdner Stadtteilen leben die Corona-Infizierten? © Jürgen Lösel/SZ

Dresden. Im Kölner Problemviertel Chorweiler kommt der Impfarzt nicht nur vor die Haustür. Dort werden auch Menschen geimpft, die eigentlich noch gar nicht an der Reihe wären. Die Rhein-Metropole geht damit einen Sonderweg, um sozial Benachteiligte zu erreichen, deren Impfbereitschaft niedrig ist und die obendrein in einem Corona-Brennpunkt leben. Kommt das auch für Dresden in Frage? Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) hat darauf eine klare Antwort.

Plant auch Dresden Impfbusse in Problemvierteln?

"Dresden ist nicht Köln", sagt Kaufmann. In der sächsischen Landeshauptstadt sei aktuell kein Zusammenhang zwischen hohen Infektionszahlen und sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen erkennbar. Die Bürgermeisterin untermauert ihren Standpunkt mit Zahlen, die Dresden so bisher nicht kennt. Meldet das Gesundheitsamt täglich die Zahl der Neuninfektionen für die ganze Stadt, so legt Kaufmann nun erstmals Infektionszahlen für die Stadtteile vor.

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Wo gibt es die meisten Infektionen?

Der Stadtteil mit den meisten Infektionen gemessen an der Zahl der Einwohner ist die Albertstadt. Dort kommen auf 10.000 Einwohner knapp 900 Corona-Fälle seit Pandemie-Beginn im März vorigen Jahres. Sprich: Fast jeder Zehnte hat sich dort angesteckt. Auf die Albertstadt folgen die Friedrichstadt (806 Infektionen pro 10.000 Einwohner) sowie Großzschachwitz (737 Infektionen). Das heißt nicht, dass sich alle Infizierten auch in diesen Stadtteilen angesteckt haben. Die Quellen sind ganz unterschiedlich.

Zum Vergleich: Zählt man alle Infektionen in Dresden zusammen, so kommen 510 Fälle auf 10.000 Einwohner. Bei den Zahlen handelt es sich um die Summe aller per PCT-Test bestätigten Infektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl des jeweiligen Stadtteils. Die Werte sind nicht mit der Sieben-Tage-Inzidenz zu verwechseln.

Und wie sieht es in Prohlis und Gorbitz aus?

Prohlis und Gorbitz gelten als Brennpunktviertel. In Prohlis sind mehr als 10 Prozent der Einwohner im erwerbstätigen Alter arbeitslos, im südlichen Gorbitz sind es sogar 16 Prozent. In keinem anderen Stadtteilen haben so viele Menschen keinen Job. Entsprechend niedrig ist das durchschnittliche Einkommen in Prohlis und Gorbitz. Rund 20 Prozent der Haushalte haben im Monat weniger als 1.000 Euro zur Verfügung, wie aus der neuesten Bürgerumfrage hervorgeht. Aber stecken sich sozial Benachteiligte wirklich häufiger mit dem Coronavirus an?

Nein. Prohlis-Nord liegt sogar am unteren Ende des Corona-Stadtteil-Rankings. Dort wurden seit Pandemie-Beginn 348 Infektionen auf 10.000 Einwohner gezählt. Das südliche Pieschen ordnet sich mit 463 Fällen im Mittelfeld ein.

In Gorbitz sieht es etwas anders aus. Gorbitz-Nord registriert immerhin 650 Infektionen pro 10.000 Einwohner und Gorbitz-Süd 582. Das sind allerdings deutlich weniger als die Spitzenreiter Albertstadt und Friedrichstadt.

In welchen Stadtteilen konnte sich das Virus weniger verbreiten?

Auch hier zeigt sich, dass es keine zusammenhängende Gebiete innerhalb Dresdens gibt, in denen das Coronavirus weder besonders stark noch extrem schwach grassierte. Die Stadtteile mit den wenigsten Infektionen, gemessen an ihrer Einwohnerzahl, sind Tolkewitz und Seidnitz-Nord mit 239 Fällen sowie die Innere Neustadt mit 259 Infektionen, jeweils auf 10.000 Einwohner umgerechnet.

Was heißt das für die Impfkampagne?

"Unser Ziel ist es, in allen Stadtteilen eine gleichmäßig hohe Impfbereitschaft zu erreichen", so Kaufmann. Das setze eine leicht verständliche Übersetzung der Vorteile einer Schutzimpfung voraus. "Deshalb werden wir die Impfkampagne des Freistaates unter anderem mit gezielten, teils mehrsprachigen Informationen unterstützen."

Auch das Impfangebot müsse stimmen. Derzeit reicht der Impfstoff noch nicht für alle Impfwilligen. Deshalb wird die Bevölkerung weiterhin in Prioritäten-Gruppen eingeordnet. Aktuell sind alle Menschen ab 60 Jahre berechtigt, sich immunisieren zu lassen. Darüber dürfen sich Angehörige bestimmter Berufsgruppen impfen lassen, unter anderem Verkäufer, Feuerwehrleute, aber auch Journalisten sowie die Beschäftigten der Energieversorger und der Stadtverwaltung.

Wo stecken sich Dresdner hauptsächlich an?

Aktuell stecken sich die Dresdner hauptsächlich in ihrem familiären Umfeld an - also zu Hause oder beim Besuch von Eltern und Großeltern, teilt das Gesundheitsamt auf Anfrage der AfD-Stadträtin Monika Marschner mit. Aber auch im beruflichen Umfeld seien Infektionswege zu finden, weiß die Behörde anhand nachverfolgter Kontakte von Infizierten. Seit Pandemiebeginn infizierten sich nachweislich knapp 30.000 Dresdner.

Gibt es auch absolute Infektionszahlen für die Stadtteile?

Ja, bezieht man die Corona-Fälle nicht auf die Zahl der Einwohner in den Stadtteilen, so führen Prohlis und Gorbitz die Liste abermals nicht an. An der Spitze steht die Äußere Neustadt mit über 1.000 nachgewiesenen Infektionen. Gorbitz-Nord zählt reichlich 400 Fälle, Prohlis-Süd knapp 400. Wenig verwunderlich: Die wenigsten Infektionen gibt es dort, wo die wenigsten Menschen leben - in der Dresdner Heide, am Flughafen-Industriegebiet sowie in Hellerberge.

Das Ranking beinhaltet alle gemeldeten, nachgewiesenen Infektionen bis zum 3. Mai, also Montag vergangener Woche.

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