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Corona: So viele Dresdner Schüler sind positiv getestet

In der ersten Woche nach den Ferien wurden die Kinder zweimal wöchentlich getestet. Das sind die Ergebnisse.

Alle Schüler müssen sich jetzt zweimal die Woche testen, wenn sie im Unterricht dabei sein wollen.
Alle Schüler müssen sich jetzt zweimal die Woche testen, wenn sie im Unterricht dabei sein wollen. © Sebastian Gollnow/dpa

Dresden. Die Ferien sind vorbei, seit einer Woche sind die Dresdner Schüler wieder in der Schule. Das erste Mal werden müssen sich nun auch Grundschüler selbst testen, wenn sie den Unterricht besuchen wollen.

Wie sind die Tests in der ersten Schulwoche ausgefallen?

An den Schulen werden zusätzlich zum gesamten Schulpersonal auch alle Schüler zweimal wöchentlich getestet. Die Tests sind Selbsttests und werden von den Schülern selbstständig unter Anleitung ihrer Klassenlehrer im Klassenzimmer gemacht. Die Eltern müssen vorher eine Einwilligungserklärung unterschreiben, in der steht, dass sich ihr Kind selbst in der Schule testen darf. Allerdings können die Familien auch daheim einen Selbsttest bei ihrem Kind machen und dann per Selbstauskunft bestätigen, dass dieser negativ war.

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"In der 15. Kalenderwoche erreichten uns 113 positive Schnelltestergebnisse aus 43 Dresdner Schulen", sagt Gesundheitsamtsleiter Frank Bauer. Eine hohe Zahl, denn das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) spricht auf SZ-Anfrage von lediglich 14 positiven Selbsttest-Ergebnissen. Wie die Zahlendifferenz zustande kommt, können beide Behörden auf Nachfrage nicht erklären. Möglicherweise handelt es sich bei der Zahl des Gesundheitsamtes um alle Neuinfektionen, also auch jene, die zum Beispiel beim Arzt festgestellt wurden. Denn das Robert-Koch-Institut gibt die Zahl der Neuinfizierten im Alter von 6 bis 18 Jahren für die vergangene Woche mit 126 an, wovon sicherlich nicht alle Schüler gewesen sind. Das ist allerdings nur eine Vermutung.

An den Selbsttests nahmen laut Lasub reichlich 23.300 Oberschüler, Gymnasiasten, Berufs- und Förderschüler sowie gut 17.200 Grundschüler teil.

Die Tests verweigert haben 346 Oberschüler und Gymnasiasten sowie 99 Grundschüler. "Unverschuldet verhindert" - zum Beispiel krank oder als krank gemeldet - waren knapp 3.000 Schüler. Für die Lehrkräfte ergebe sich ein ähnliches Bild, so Sprecher Clemens Arndt.

Reichen die Selbsttests für die nächsten Wochen?

Aus Sicht des Landesbildungsamtes reichen die Testkits auch für die kommenden Schulwochen. Die Einrichtungen werden ausreichend beliefert und erhalten wöchentlich Nachlieferungen, so Arndt weiter.

Testen viele Familien zu Hause?

Rund 1.200 Schüler konnten in der vergangenen Woche ein negatives Ergebnis von einem Test vorlegen, der etwa zu Hause oder in einem Testzentrum durchgeführt wurde. Im Falle von Selbsttests müssen die Familien dann aber selbst zahlen. Darauf hat Marcello Meschke, Schulleiter am Bertolt-Brecht-Gymnasium, die Eltern in einem Brief hingewiesen. Die Tests dürften nicht aus der Schule mit nach Hause gegeben werden. "Wenn Sie Ihre Kinder die Tests zu Hause durchführen lassen, müssen Sie die Testkits selbst erwerben." Laut Meschke seien alle Tests in der ersten Woche nach den Ferien negativ gewesen.

Auch Karsten Reisinger, Leiter der 122. Grundschule in Prohlis, verzeichnet bislang noch keinen positiven Fall unter den gut 300 Schülern. An den Grundschulen gilt die Testpflicht seit dem Ende der Osterferien, also seit einer Woche. Nur vereinzelt würden Familien den Selbsttest daheim durchführen und das Ergebnis entsprechend schriftlich bestätigen - auch das ist möglich. Der Großteil testet allerdings vor Ort in der Schule, das laufe recht gut, so Reisinger. "Für die Kinder ist das ganz spannend."

Dennoch kritisiert Reisinger die Testpflicht, bezeichnet sie als "Erpressung". Zwar sei das bei ihm nicht der Fall, aber sollten Lehrer den Test ablehnen, müsste er sie beim Kultusministerium melden. Ein weiterer Aspekt sei aus seiner Sicht mehr als bedenklich, vor allem für die Kinder: das Testen innerhalb der Klasse. "Sollte ein Test doch mal positiv ausfallen, ist das sicher eine sehr unangenehme Situation für das Kind." Es muss dann abgesondert von den anderen Kindern darauf warten, dass es abgeholt wird.

Müssen Schüler gerade in der Schule sein?

Um Familien die Möglichkeit zu geben, ihren Kindern das aktuelle Testprozedere im Schulalltag zu ersparen, hat der Freistaat die Schulbesuchspflicht für alle Schulformen ausgesetzt. Das heißt, auch Dresdner Schüler können vom Präsenzunterricht abgemeldet werden. Eltern tun dies aber auch, weil sie befürchten, dass sich ihr Kind infizieren könnte oder weil sie die Maskenpflicht ablehnen. Die Schüler begeben sich damit in die häusliche Lernzeit und müssen den Unterrichtsstoff zuhause erarbeiten. Das gilt zwangsweise auch für die 445 Schüler, die einen Test abgelehnt haben. Sie dürfen das Schulgelände nicht betreten.

Das Lernen zu Hause wird den Kindern aber nicht leicht gemacht: Aufgrund des Einsatzes aller Lehrkräfte im Präsenzunterricht könnten Videokonferenzen und eine umfassende Aufbereitung der Aufgaben nicht mehr gewährleistet werden, betont das Landesamt für Schule und Bildung. "Das Schulmaterial wird lediglich in geeigneter Form zur Verfügung gestellt."

Grundschulleiter Karsten Reisinger bestätigt, dass auch an seiner Schule fünf bis sechs Familien derzeit die häusliche Lernzeit für ihre Kinder nutzen, sieht das aber kritisch. "Ich finde es äußert bedenklich, dass Kinder dadurch ausgegrenzt werden."

Müssen Schüler im Unterricht eine Maske tragen?

Schüler ab Klasse fünf müssen auch im Unterricht Maske tragen. "Nach der ersten Woche mit der Maskenpflicht im Unterricht für alle Klassenstufen und der Schwierigkeit, ausreichend Maskenpausen anzubieten, haben wir uns darauf verständigt, dass die Schülerinnen und Schüler während der Lüftungszeiten im Unterricht die Masken absetzen können", schreibt der Schulleiter vom Bertolt-Brecht-Gymnasium. Schüler, die darüber hinaus über Kopfschmerzen klagen, könnten für fünf bis zehn Minuten allein und unbeaufsichtigt zum Durchatmen auf den Schulhof gehen.

An den Dresdner Grundschulen müssen die Kinder die Masken im Schulhaus tragen, also dort, wo sie Kindern aus anderen Klassen begegnen. Innerhalb ihrer eigenen Klasse und Hortgruppe ist der Mund-Nasenschutz nicht nötig.

Ansonsten gilt an den Grundschulen das Prinzip der strikt voneinander getrennten Klassen und Hortgruppen. An den weiterführenden Schulen findet der Unterricht nach wie vor im Wechselmodell statt.

Wie viele Schulen sind derzeit von Infektionen betroffen?

Die Osterferien halfen, dass nicht hunderte weitere Schüler und Lehrer in Quarantäne gehen mussten. Vor den Ferien durften etwa 1.000 ihre Wohnung nicht verlassen, nach den Ferien waren es nur noch reichlich 100. In der ersten Schulwoche ist das Coronavirus allerdings wieder vermehrt in die Schulhäuser geschleppt worden. So befinden sich mit Stand vom Montagmittag 474 Schüler, Lehrer und Horterzieher in Quarantäne. 30 Einrichtungen sind dem Gesundheitsamt zufolge derzeit von Infektionen betroffen.

Lässt sich daraus eine Inzidenz errechnen?

Nein, sagt das Gesundheitsministerium. Die Inzidenz gebe Aufschluss über neue Infektionen in einem bestimmten Zeitraum, meist innerhalb von sieben Tagen. Außerdem bezieht sie sich auf die Gesamtbevölkerung in einer Stadt, einem Bundesland oder einem Staat. Bei den Reihenuntersuchungen werde lediglich festgestellt, wie viele Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt infiziert seien. Eine Momentaufnahme. Außerdem werde dabei eine vergleichsweise kleine Bevölkerungsgruppe untersucht.

Allenfalls lasse sich eine sogenannte Prävalenz errechnen, also die Rate infizierter Schüler im Vergleich zu allen untersuchten Schülern. „Prävalenz und Inzidenz sind also grundsätzlich zwei völlig verschiedene epidemiologische Bewertungen und dürfen nicht verwechselt werden“, so das Ministerium.

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