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Die Tücken des Malle-Trips

Auch in Görlitz und Niesky sind Osterreisen nach Mallorca gefragt. Aber der Corona-Urlaub wird anders als gedacht, heißt es bei Reise-Experten.

Mal wieder weg, das wünschen sich viele. Aber viele stecken auch in einem Zwiespalt.
Mal wieder weg, das wünschen sich viele. Aber viele stecken auch in einem Zwiespalt. © dpa

Edwin Schneider wird wohl doch nicht nach Mallorca fliegen. Wäre er aber gerne.

Er hat schon viele Urlaube auf der Insel verbracht. Meist in kleineren Unterkünften, familienbetriebenen Hotels. Aber dort sei nichts mehr zu bekommen gewesen. "In den großen Hotels hätten wir noch was kriegen können", erzählt er. "Aber in den kleinen war alles weg. Wir warten jetzt erst mal ab."

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Zwiespalt auch auf Mallorca

Mallorca ist nicht mehr als Risikogebiet eingestuft. Deshalb gilt nach der Rückkehr nach Deutschland derzeit keine Quarantänepflicht. Aber wie lange die Regeln so bleiben werden, das sorgt auch bei Edwin Schneider für Unsicherheit. Quarantäne wäre für ihn beruflich unglücklich, er betreibt das Görlitzer Wichernhaus.

Aktuell gibt es auf der Insel Gemeinden, die seit Tagen keine Neuinfektion verzeichnen, andere schon: Am Sonnabend vermeldete die Regionalregierung Mallorcas und der Nachbarinseln 65 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Insgesamt ist die Inzidenz auf Mallorca derzeit sehr niedrig. Das Problem für die Insel aber: Für sie ist eine funktionierende Sommersaison viel wichtiger als die Osterzeit, deshalb ist auch auf Mallorca der Zwiespalt, die Sorge vor einem Anstieg der Fallzahlen und sich schneller verbreitenden Virusvarianten groß.

Nachfrage, aber kein Ansturm

Nichts mehr zu kriegen in kleinen Hotels? Das kann sich Mario Kosubek vom Görlitzer Reisebüro Richter gut vorstellen. "Es gelten auf Mallorca strenge Beschränkungen, zum Beispiel bei der Bettenkapazität. Soweit ich weiß, hat nur ein Bruchteil der Hotels geöffnet." Das sorge mitunter auch für Preissteigerungen. "Bei uns ist es so: Was da ist, wird gut nachgefragt, auf jeden Fall", sagt Mario Kosubek. "Aber von einem Run, wie es gerade rüberkommt, kann man wirklich nicht sprechen."

Was auch mit der Frage zusammenhängen könnte, wie man nach Mallorca kommt. "Man liest ja viel davon, dass es hunderte Zusatzflüge geben solle. Davon entfallen aber keine auf Dresden. Heißt, Sie müssen erst nach Berlin, oder von Dresden nach Frankfurt am Main fliegen."

Dort wiederum sei die Nachfrage nach Flugtickets äußerst hoch, berichtet etwa die Frankfurter Neue Presse. Gerade an den Flügen gibt es aber auch Kritik. So sagte etwa Martin Stürmer, Virologe an der Universität Frankfurt, gegenüber dem Hessischen Rundfunk zu den Flugreisen: „Das Problem ist eben, wie man dort hinkommt und wie man sich möglicherweise im Hotel verhält.“

Als nur schwer zu erklären empfindet es auch der Görlitzer Epidemiologe Roger Hillert, warum man nach dem Mallorca-Urlaub ohne Test oder Quarantäne zurückkehren kann, "nach Mecklenburg aber in ein Ferienhaus mit zwei Haushalten darf man nicht fahren, obwohl die Gefahr dort viel geringer wäre". Er plädiert für klare, verständliche Regelungen.

Bund und Länder wollten sich am Montagabend auch auf die Kontaktbeschränkungen über Ostern einigen. Zuvor hieß es, Treffen mit vier über den eigenen Hausstand hinausgehende Personen aus dem Familienkreis, Kinder bis 14 nicht mitgerechnet, sollen möglich sein. Ob es doch eine Testpflicht nach der Rückkehr von Mallorca geben soll, wird ebenso debattiert.

Reisende brauchen Flexibilität

"Solche Sicherheitsvorkehrungen wären sinnvoll, um den verständlichen Wunsch der Menschen nach Reisen zu ermöglichen", sagt Katrin Hille von der Reiseagentur Niesky Sie bestätigt: "Das Angebot bei den Hotels ist eingeschränkt." Etwa ein Zehntel wird über Ostern geöffnet sein. Nachfrage - ja, Ansturm - nein. Solange die Inzidenz im Zielland so niedrig liege wie aktuell auf Mallorca, sei sie fürs Reisen. Liegen die Werte aber nicht deutlich niedriger als daheim, würde sie abraten. "Und in ein Hochinzidenzgebiet würde ich definitiv nicht fahren."

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Katrin Hille und Mario Kosubek sagen auch, fürs Reisen, ob Mallorca oder woanders hin, brauche man derzeit eine gewisse Unsicherheitstoleranz. Auf Mallorca gilt etwa eine Ausgangssperre ab 22 Uhr, Restaurants müssen 17 Uhr schließen. Einreisende brauchen einen negativen PCR-Test. Generell müsse man darauf gefasst sein, dass sich Regeln auch in anderen Ländern und Einstufungen kurzfristig ändern können. Deshalb rät Katrin Hille, nicht nur weil sie die Reiseagentur leitet, derzeit zur Pauschal- statt zur Individualreise. "Wir informieren die Reisenden", sagt sie, "und das ist auch wirklich wichtig."

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