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Die Influencerin unter den Schwestern

Die Dresdnerin Sarah Küttner erreicht im Netz als "Ossilinchen" Tausende Leser. Warum sie sich trotz Kontakt zu Corona-Patienten vorerst nicht impfen lassen will.

Sarah Küttner alias Ossilinchen lässt ihre Leser an ihrem Alltag am Dresdner Uniklinikum teilhaben.
Sarah Küttner alias Ossilinchen lässt ihre Leser an ihrem Alltag am Dresdner Uniklinikum teilhaben. © privat

Dresden. Von pürierter Erbsensuppe über Winterspaziergänge bis zur Handchirurgie sind es nur wenige Klicks. Auf ihrem "persönlichen Lifestyle-Blog" lässt sich die 29-jährige Krankenschwester Sarah Küttner über so ziemlich alles aus, was sie in ihrem Alltag beschäftigt - privat und beruflich.

Sie empfiehlt Restaurants und Firmen, verrät Geheimtipps für Familienausflüge in und um Dresden, testet aber auch Wickelunterlagen und Lauflernschuhe. Dabei hilft ihr zu Hause ihre zweijährige Tochter, wenngleich die weder mit Namen noch mit Gesicht zu erkennen ist.

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Etwa 5.000 Besucher hat Sarah in der Woche auf ihrer Seite. Tendenz steigend. Dazu kommen ihre Auftritte auf Facebook und Instagram, wo ihre roten Haare als Markenzeichen besonders zur Geltung kommen.

Es ist ein kleines Social-Media-Reich, in dem sich die Dresdnerin "Ossilinchen" nennt. "Das war mein Spitzname, als ich mal für einige Jahre in Nürnberg gelebt habe", verrät sie. "Und ich fand das einfach ganz süß."

Auf Instagram folgen Sarah inzwischen fast 12.000 Menschen.
Auf Instagram folgen Sarah inzwischen fast 12.000 Menschen. © Screenshot Instagram

Vor fünf Jahren, als die Blogger-Szene noch längst nicht so groß und vielfältig war wie heute, erstellte Sarah ihre Seite. Zuvor hatte sie schon ab und an Produkte getestet. "Das war damals alles, vom Bügeleisen bis zum Kaugummi. Aber als ich sah, dass das inzwischen jeder machte, wollte ich mich davon abgrenzen."

Am Anfang hätten sie viele noch belächelt, als sie sagte, dass sie eines Tages mit dem Blog Geld verdienen möchte. Inzwischen ist sie Profi. Hinter dem Erbsensuppen-Beitrag steht der Vermerk *Werbung* und mit dem Code "Ossilinchen" gibt es 15 Prozent Rabatt beim Anbieter.

In der Handchirurgie der Uniklinik kann sie zwar nicht mit Rabatten dienen, dafür leistet sie aber einen anderen unschätzbaren Dienst für ihren Arbeitgeber: Sie gibt ihrem Job ein Gesicht, zeigt wie abwechslungsreich und spannend er ist, und erlaubt ihren Lesern einen Blick hinter die Kulissen. So mancher junge Schulabgänger könnte sich ja davon inspirieren lassen und das Uniklinikum für die eigene Karriereplanung zumindest schon mal im Hinterkopf behalten.

Das haben auch ihre Chefs am Klinikum verstanden und Sarah für ihre Social-Media-Abenteuer einen Bürotag in der Woche gewährt. "In der Corona-Krise wurde diese Regelung allerdings verständlicherweise gerade ausgesetzt", sagt die Pflegerin, die als Teil des Intensivpflegepools immer dort eingesetzt wird, wo sie gerade gebraucht wird. Der Plan ist, dass sie ab Januar wieder mit zwei Bürotagen im Monat startet - sollte das Coronavirus bis dahin nicht komplett außer Kontrolle geraten.

Gern würde Sarah ihre Social-Media-Arbeit für das Uniklinikum ausbauen. Ganz aus der Pflege will sie aber nicht aussteigen.
Gern würde Sarah ihre Social-Media-Arbeit für das Uniklinikum ausbauen. Ganz aus der Pflege will sie aber nicht aussteigen. © universitaetsklinikum-dresden.al

In ihren Beiträgen aus dem Klinikum besucht Sarah verschiedene Bereiche, die sie ausführlich vorstellt und dazu gleich den nötigen Service samt Öffnungszeiten liefert. Auch Operationsmethoden werden bis in kleinste Detail - und anschaulich bebildert - erklärt. Mal geht es um Organspenden in Zusammenhang mit Hirntoddiagnostik, mal um die Patientenverfügung.

"Spannend war auch die Pathologie", sagt Sarah. "Alle denken ja, da geht es nur um Tote." Der bislang meistgelesene Beitrag beschäftigt sich mit der Kinderintensivstation. Innerhalb von drei Tagen sei er fast 6.000 Mal angeklickt worden.

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"Ich will anderen Risikogruppen den Vortritt lassen"

So direkt an die jungen Dresdner Leser heranzukommen, kann nur im Interesse der Uniklinik sein. "Natürlich freuen wir uns über die Postings und die damit verbundene Unterstützung", sagt Annechristin Bonß aus der Pressestelle des Uniklinikums, betont jedoch auch: "Die Schlussredaktion und die Auswahl der Themen obliegen Ossilinchen selbst", wenngleich es durchaus eine inhaltliche Zusammenarbeit gebe.

Vor wenigen Tagen musste Sarah nun zunächst selbst unters Messer - und ließ auch daran ihre Follower bei Instagram teilhaben. Im Januar und Februar wird sie nun voraussichtlich zum ersten Mal auf einer Covid-Intensivstation im Einsatz sein.

Impfen lassen will sie sich aber vorerst nicht. "Ich bin jung und gesund und will anderen Risikogruppen den Vortritt lassen", sagt sie. Abgesehen davon sei sie gegen viele Medikamente allergisch und würde auch wegen der noch geringen Datenlage zu den Langzeitwirkungen lieber abwarten.

Mit Sicherheit werden auch ihre Leser bald mehr dazu erfahren. Gern würde Sarah alias Ossilinchen ihre Social-Media-Aktivitäten für das Uniklinikum künftig weiter ausbauen. Ganz aus der Pflege will sie sich aber keinesfalls verabschieden. "Ich habe hier etwas gefunden, wo ich glücklich bin, wo ich jeden Tag Neues lerne. Das will ich nicht missen." Und worüber sollte sie dann auch noch berichten?

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