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So stellt Becker jetzt Dynamo neu auf

Nun ist es amtlich: Nach dem Abstieg trennen sich die Dresdner von 17 Spielern. Wer das ist und warum sie gehen müssen, erklärt der Sportgeschäftsführer.

Ralf Becker will Dynamos Mannschaft ein neues Gesicht verpassen. Dazu trifft der Sportgeschäftsführer mit dem Trainer eine grundsätzliche Entscheidung.
Ralf Becker will Dynamos Mannschaft ein neues Gesicht verpassen. Dazu trifft der Sportgeschäftsführer mit dem Trainer eine grundsätzliche Entscheidung. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Ralf Becker ist seit zweieinhalb Wochen offiziell im Amt. Er sei "sehr offen und positiv empfangen worden", berichtet der neue Sportgeschäftsführer von Dynamo Dresden. "Das war für mich unheimlich schön zu spüren und hat mir den Einstieg wirklich erleichtert."

Im Interview für die Internetseite des Vereins blickt der 49-Jährige vor allem voraus. Allerdings lässt sich ein Rückblick nicht vermeiden. Zudem muss Becker etwas erklären, was überfällig ist. Zuletzt hatte es unter den Fans Kritik an der Art und Weise gegeben, wie ein langjähriger Spieler wie Niklas Kreuzer verabschiedet worden ist: indem seine Rückennummer 7 an Neuzugang Panagiotis Vlachodimos vergeben worden war. Daraufhin hatte sich Kreuzer auf seinem Instagram-Account bei Dynamo und Dresden für die Zeit bedankt.

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Viele Fans waren der Meinung, der Publikumsliebling hätte nach sechs Jahren in Schwarz-Gelb einen würdigeren Abgang verdient gehabt. Einen anderen Rahmen hätte sich auch Becker gewünscht, erklärt er in dem Gespräch. "Aufgrund der aktuellen Umstände war und ist dies aber leider nicht möglich."

Obwohl Dynamo am vorletzten Spieltag in Sandhausen mit 1:0 gewinnt, steigen die Dresdner aus der 2. Bundesliga ab. Daran kann auch Simon Makienok nichts ändern. Trotz seiner drei Tore bekommt auch der Däne kein Angebot für einen neuen Vertrag.
Obwohl Dynamo am vorletzten Spieltag in Sandhausen mit 1:0 gewinnt, steigen die Dresdner aus der 2. Bundesliga ab. Daran kann auch Simon Makienok nichts ändern. Trotz seiner drei Tore bekommt auch der Däne kein Angebot für einen neuen Vertrag. © dpa/Uwe Anspach

Gemeinsam mit Trainer Markus Kauczinski hat er eine grundsätzliche Entscheidung getroffen: Nach dem Abstieg aus der zweiten Liga soll die Mannschaft ein neues Gesicht bekommen. "Bis auf Marco Hartmann, der für die Mannschaft und den Verein auch neben dem Platz immens wichtig ist, Eigengewächs Max Kulke sowie Patrick Wiegers und Stefan Kiefer auf der Torwart-Position haben wir deshalb die abgelaufenen Verträge der anderen Feldspieler nicht erneuert", sagt Becker. Man habe sich entschlossen, "einen Schnitt zu machen und einen Neuanfang zu starten", wolle "die aktuelle Situation als Chance nutzen, etwas Neues entstehen zu lassen". 

Diese Spieler verlassen Dynamo - hier durchklicken:

Baris Atik: Der Deutsch-Türke wechselte im Sommer 2018 von der TSG 1899 Hoffenheim zu Dynamo und unterschrieb einen Vertrag für vier Jahre. Der galt allerdings nicht für die 3. Liga. Der offensive Mittelfeldspieler bestritt für die SGD 51 Pflichtspiele und erzielte sechs Tore. Er fiel allerdings auch wegen seiner Theatralik auf.

Florian Ballas: Der 1,96 Meter große Verteidiger wechselte 2016 nach dem Abstieg mit dem FSV Frankfurt nach Dresden - und spielte bei Dynamo weiter in der zweiten Liga. Insgesamt stand er für die Schwarz-Gelben in 106 Spielen auf dem Platz, erzielte fünf Tore - was angesichts seiner Kopfballstärke in der Defensive eine geringe Trefferquote ist. Ballas wurde eine Führungsrolle zugetraut, im Winter wählte ihn die Mannschaft zum Kapitän. Doch ein Anführer war er zu selten. Einem Bericht der Bild zufolge liegt ihm ein Angebot vom AEK Larnaca aus der ersten Liga in Zypern vor.

Tim Boss: Der Torwart kam vor der Saison 2018/19 von Drittligist Fortuna Köln zur SGD, verletzte sich jedoch in der Vorbereitung. Eigengewächs Markus Schubert wurde die Nummer eins - und auch nach dessen Wechsel zu Schalke traute Dynamo wohl Boss die Rolle als Stammkeeper in der zweiten Liga nicht zu und verpflichtete Broll. Seinen einzigen Einsatz bekam Boss im letzten Spiel der Abstiegssaison beim 2:2 gegen Osnabrück am 28. Juni.

Dzenis Burnic: Der U21-Nationalspieler war von Borussia Dortmund zunächst für ein halbes Jahr ausgeliehen, diese Vereinbarung wurde im vorigen Sommer um ein weiteres Jahr verlängert. Doch zunächst konnte er nicht an seine Leistungen der ersten Spiele anknüpfen. Als er zu seiner Form gefunden hatte, fiel er verletzt aus. Seine Dynamo-Bilanz: 35 Einsätze, zwei Tore. Er kehrt nach Dortmund zurück, soll aber wohl abgegeben werden.

Godsway Donyoh: Als eine von sechs Leihgaben kam der Ghanaer im Winter vom dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland nach Dresden. Trotz seiner taktischen Defizite war der schnelle Außenstürmer eine Bereicherung und bereitet bei seinen sieben Einsätzen in der zweiten Liga drei Treffer vor. Nach der Corona-Zwangspause fiel er verletzt aus und kehrt nun nach Dänemark zurück. Als Nicht-EU-Ausländer wäre er für die 3. Liga nicht spielberechtigt.

Patrick Ebert: Als erfahrener Profi - er hatte unter anderem in Spanien und bei Spartak Moskau gespielt - galt der Berliner als potenzielle Führungskraft, hatte in der Mannschaft wohl auch ein entsprechendes Standing , konnte sie aber auf dem Platz zu selten mitreißen. In zwei Jahren bei Dynamo bestritt der Mittelfeldspieler 51 Spiele und erzielte fünf Tore. 

Brian Hamalainen: Den Dänen konnte Dynamo im Sommer 2018 als erfahrenen Neuzugang präsentieren. Er kam vom belgischen Erstligisten SV Zulte Waregem. Zuvor hatte er beim KRC Genk unter anderem siebenmal in der Europa League gespielt und 2013 den Pokal gewonnen. Der Linksverteidiger hatte lange mit einer schweren Rückenverletzung zu kämpfen, dennoch bestritt er 42 Pflichtspiele für die SGD und konnte sich über seinen einzigen Treffer nicht wirklich freuen: Dynamo verlor die Partie gegen Bielefeld im Januar 2019 trotzdem mit 3:4.

Josef Husbauer: Der Tscheche kam im Januar als großer Hoffnungsträger, schließlich hatte er mit Slavia Prag zuvor noch in der Champions League gespielt. Allerdings konnte sich der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler nicht zu einem Leitwolf entwickeln, zumal er nach der Corona-Zwangspause wegen Problemen im Sprunggelenk vier Spiele verpasste. Sein einziges Tor erzielte er beim 2:3 gegen Darmstadt. Husbauer war ausgeliehen und kehrt nach Prag zurück.

René Klingenburg: Es hat nicht gepasst, zumindest konnte der Neuzugang vom Sommer 2019 die Erwartungen nicht erfüllen. "Dass er viel Torgefahr ausstrahlen kann, hat er unter Beweis gestellt", meinte Sportgeschäftsführer Ralf Minge zur Verpflichtung von Klingenburg, der bei Preußen Münster zuvor mit neun Treffern der torgefährlichste Mittelfeldspieler der 3. Liga gewesen ist. Doch die Ausbeute nach 25 Einsätzen für Dynamo:  null Tore. 

Niklas Kreuzer: Der in München geborene und in Basel aufgewachsene Rechtsverteidiger gehörte zu den jungen, entwicklungsfähigen Spielern, mit denen Dynamo nach dem Abstieg 2014 den Neustart wagte. In den ersten Jahren konnte er trotz einiger Leistungsschwankungen sein Potenzial mehr als andeuten und war nach Einsätzen immer eine Stammkraft, obwohl er vor allem bei Trainer Uwe Neuhaus offenbar nicht den besten Stand hatte. Seine Entwicklung stagnierte zuletzt. Nach 160 Spielen mit fünf Toren und beachtlichen 23 Vorlagen endet also auch für "Kreuz" die Dresdner Zeit.

Simon Makienok: Was wäre gewesen, wenn ... Ein Stürmertyp wie der 2,01 Meter große Däne hat Dynamo in der Hinrunde gefehlt. Der Däne wurde im Januar vom niederländischen Erstligisten FC Utrecht verpflichtet, allerdings zunächst nur für ein halbes Jahr. In seinem ersten Spiel für die Schwarz-Gelben sah er sechs Minuten nach seiner Einwechslung die Rote Karte, entwickelte sich danach aber zu einem Hoffnungsträger - vor allem mit seinem Treffer in letzter Minute beim 3:2-Sieg in Wiesbaden.  Die insgesamt drei Tore von Makienok in seinen neun Spielen reichten jedoch auch nicht, den Abstieg zu verhindern. Obwohl Kauczinski ihn und Patrick Schmidt gerne gehalten hätte, gibt es auch für die beiden Angreifer keine Ausnahme vom "harten Schnitt".  

Jannik Müller: Er verlängerte seinen Vertrag vor der Saison mit der Maßgabe, einen höheren Stellenwert zu bekommen. Trainer Cristian Fiel bestimmte ihn zu einem von vier Kapitänen - wegen der langen Zugehörigkeit im Verein. Müller kam im Sommer 2014 von der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln und sollte eigentlich gleich wieder weg, doch Sportgeschäftsführer Ralf Minge setzte sich gegen den damaligen Coach Stefan Böger durch. Müller stand in insgesamt 145 Partien für Dynamo auf dem Rasen und erzielte sechs Tore.

Jannis Nikolaou: Der Deutsch-Grieche vielleicht ein wenig unterschätzt, weil er vor seinem Wechsel nach Dresden vor zwei Jahren bei den Würzburger Kickers in der 3. Liga gespielt hatte. Doch mit seiner körperlichen Spielweise verschaffte er sich zunächst im defensiven Mittelfeld und zuletzt als Innenverteidiger auch eine Klasse höher den nötigen Respekt. Mit Eintracht Braunschweig spielt er auch künftig in der zweiten Liga. Seine Dynamo-Bilanz: 64 Spiele, drei Tore.

Ondrej Petrak: Als Stabilisator und Abräumer fürs Mittelfeld wurde der Tscheche im Januar vom 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Die Rolle füllte der 28 Jahre alte Tscheche mit Abstrichen aus, bestritt 13 Spiele für die SGD.

Patrick Schmidt: "Erst drinbleiben, dann dableiben!" Diese Devise hatte der Angreifer nach seinen zwei Toren beim 2:1-Sieg im Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue am 8. März ausgegeben. Doch dann kam Corona mit den für Dynamo besonders schwierigen Begleitumständen: zwei Wochen zusätzliche Quarantäne, der eigentlich unzumutbare Terminplan und schließlich das bittere Ende mit dem Abstieg. Der 26 Jahre alte Schmidt kehrt zum 1. FC Heidenheim zurück, der in der Relegation zur Bundesliga knapp am VfB Stuttgart gescheitert ist. Bei Dynamo hat er in kurzer Zeit einen guten Eindruck hinterlassen - mit sechs Treffern in 15 Spielen und seinem Auftreten.

 Marco Terrazzino: Im zweiten Anlauf kommt er nach Dresden, 2010 hatte die Verpflichtung des Deutsch-Italieners nicht geklappt. Vielleicht sind deshalb die Erwartungen an den vom Bundesligisten SC Freiburg ausgeliehenen Mittelfeldspieler zu hoch, zumindest kommt er bei Dynamo nach gutem Start nach der Corona-Pause nicht mehr richtig in Tritt. In seinem ersten und letzten Spiel trifft er - und geht zurück in den Breisgau.  

Linus Wahlqvist: Mit dem Schweden meldete Dynamo im Juli 2018 bereits den siebenten Neuzugang für die nächste Saison. Der Rechtsverteidiger wechselte vom schwedischen Erstligisten IFK Norrköping zur SGD - und konnte immerhin schon auf sechs Länderspiele für die schwedische Nationalelf verweisen. Sein Vierjahresvertrag war bis zum 30. Juni 2022 datiert, galt aber nur für die beiden Bundesligen. So endet das Kapitel für ihn nach zwei Jahren mit 55 Spielen, in denen er fünf Tore vorbereitete.

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Damit steht fest: Außer den sechs zur Winterpause ausgeliehenen verlassen elf weitere Profis den künftigen Drittligisten. "Wir wissen, dass das für einige Spieler eine harte Entscheidung gewesen ist", meint der neue Sportchef - und er begründet: "Manchmal ist es wichtig, neue Reize zu setzen und in einer neuen Struktur eine neue Hierarchie aufzubauen." Genau daran hatte es Dynamo in der vergangenen Saison zu lange gefehlt, was Ex-Kapitän Hartmann im Interview mit Sächsische.de als einen Grund für den Abstieg genannt hatte.

Außer den von Becker bereits genannten Spielern stehen vom Zweitliga-Kader derzeit noch Kevin Broll, Kevin Ehlers, Chris Löwe, Sascha Horvath, Justin Löwe und Alexander Jeremejeff offiziell im Aufgebot für die nächste Saison, dazu kommen die aufgerückten Nachwuchsspieler Ransford Yeboah-Königsdörffer, Simon Gollnack und Maximilian Großer. Außerdem kehren Osman Atilgan (bereits im Januar), Luka Stor, Matthäus Taferner und Vasil Kusej nach einer Ausleihe zurück. Mit Yannick Stark, Tim Knipping und Vlachodimos stehen drei Neuzugänge fest.

Sie waren Weggefährten über gut sechs Jahre: Während Ex-Kapitän Marco Hartmann seinen Vertrag um mindestens ein weiteres Jahr verlängert hat, ist die Amtszeit von Ralf Minge als Sportgeschäftsführer beendet.
Sie waren Weggefährten über gut sechs Jahre: Während Ex-Kapitän Marco Hartmann seinen Vertrag um mindestens ein weiteres Jahr verlängert hat, ist die Amtszeit von Ralf Minge als Sportgeschäftsführer beendet. ©  dpa/Robert Michael

"Wir in der sportlichen Abteilung haben ab Tag eins den vollen Fokus auf die Kaderplanung gelegt", sagt Becker. "Es wird entscheidend sein, dass wir ein gutes Team auf den Platz bekommen. Das hat absolute Priorität." Chefcoach Kauczinski sei "in den vergangenen beiden Wochen viel unterwegs" gewesen, habe sich mit allen potenziellen Neuzugängen getroffen oder zumindest mit ihnen telefoniert, "um sich ein persönliches Bild von ihnen zu machen". Weitere Verpflichtungen sind zwingend notwendig, wobei Dynamo auf einigen Positionen bereits gut aufgestellt ist für die 3. Liga.

So gibt es mit Broll, Wiegers und dem talentierten Kiefer ein stabiles Torwart-Trio, im Angriff gäbe es mit Jeremejeff, Stor, Königsdörffer, Gollnack, Atilgan und Kusej zumindest nominell bereits Alternativen. Es klaffen allerdings auch noch einige Lücken, wenn jede Position mindestens doppelt besetzt sein soll.

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Deshalb dürfte es noch einige Bewegung geben bis zum Saisonstart mit der ersten Runde im DFB-Pokal am Wochenende 11. bis 14. September. Becker vermeidet es in dem Interview, konkret vom Aufstieg zu sprechen, formuliert aber einen klaren Anspruch: "Wir arbeiten hart, verfolgen ehrgeizige Ziele und streben sportlich den maximalen Erfolg an."

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