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Legt Dynamo für den Aufstieg personell nach?

Die Dresdner starten als Spitzenreiter ins neue Jahr. Sportchef und Trainer halten sich beim Saisonziel dennoch zurück - und erklären, was sie von Neuzugängen halten.

Weiter geht’s für Dynamo in der 3. Liga. Die Dresdner wollen den Schwung aus dem Vorjahr mitnehmen und die Spitzenposition verteidigen.
Weiter geht’s für Dynamo in der 3. Liga. Die Dresdner wollen den Schwung aus dem Vorjahr mitnehmen und die Spitzenposition verteidigen. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Dieses eine Wort kommt ihm nicht über die Lippen. Dabei ist es genau das, worum es geht, Ralf Becker persönlich, vor allem aber der Mannschaft, dem Verein. Der Aufstieg bleibt das unerklärte Ziel von Dynamo in dieser Saison, die nahezu pausenlos weitergeht: für die Dresdner am Montag bei Türkgücü München. Als Spitzenreiter sind sie ins neue Jahr gerutscht, sogar der Sportgeschäftsführer gönnte sich angesichts der aussichtsreichen Ausgangslage zu Weihnachten ein paar Stunden, ohne an Fußball zu denken.

Becker muss nichts korrigieren, seine Ansage vom Saisonbeginn ist nach wie vor aktuell, weil sie im Leistungssport grundsätzlich gilt. „Wir sind uns alle einig, wir sind alle hier, um den maximalen sportlichen Erfolg zu haben“, meint er also. „Das erwarten wir von uns selbst, diese Eigenmotivation zeichnet die Truppe aus.“ Also könnte er es doch ohne Umschweife sagen, was die Spieler sowieso denken und mancher öffentlich kundgetan hat. Becker aber formuliert es verklausuliert. „Wenn du Anfang Januar Tabellenerster bist, willst du nicht am Ende Vierter werden.“

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Man hat ja schon Pferde vor der Apotheke und so weiter … Und die 3. Liga hält durchaus mahnende Beispiele parat. In den bisher zwölf Spielzeiten seit Gründung zur Saison 2008/09 hat zwar die Mannschaft, die nach 17 Spieltagen auf Platz eins stand, tatsächlich sieben Mal den Aufstieg geschafft – darunter Dynamo 2015/16. Damals hatten die Schwarz-Gelben bereits elf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang, jetzt sind es acht. Allerdings sind einige Spitzenreiter noch böse abgestürzt wie im Vorjahr der MSV Duisburg auf Platz fünf oder Wehen Wiesbaden 2014/15 auf Rang neun. Bitter endete es 2013 für Osnabrück, das zwar als Dritter die Aufstiegsrelegation erreichte, aber am Drittletzten der zweiten Liga scheiterte – an Dynamo.

Werden die Ausfälle zu einem Problem?

Die aktuelle Saison ist allerdings keine normale, birgt wegen der Corona-Krise einige zusätzliche Unwägbarkeiten. Noch nie ging es ohne Winter-Vorbereitung, ohne Trainingslager direkt weiter, lediglich einen Test gab es, den Dynamo am Mittwoch gegen Jablonec mit 2:1 gewonnen hat. Noch nie standen 21 Spiele bis zum 22. Mai aus. Einen Einbruch seiner Mannschaft fürchtet der Trainer dennoch nicht. „Wir haben gute Mechanismen, die Belastung zu händeln“, meint Markus Kauczinski – und er betont, was oft gesagt wird: „Es wird ein langer, heißer Ritt. Dafür brauchen wird jeden in dem großen Kader.“

Zwei Männer, eine Meinung: Dynamos Sportchef Ralf Becker und Cheftrainer Markus Kauczinski streben den Aufstieg an. Neuzugänge in der Transferfrist bis Ende Januar sind nicht ausgeschlossen.
Zwei Männer, eine Meinung: Dynamos Sportchef Ralf Becker und Cheftrainer Markus Kauczinski streben den Aufstieg an. Neuzugänge in der Transferfrist bis Ende Januar sind nicht ausgeschlossen. © Lutz Hentschel

Wobei – und das könnte zu einem Problem werden – der an einigen Stellen ziemlich schmal ist. Mit Marco Hartmann und Chris Löwe fallen zwei Defensivspieler weiter und noch länger aus, Kapitän Sebastian Mai hat gerade die ersten individuellen Ballübungen absolviert. Zudem fehlen mit Patrick Weihrauch – zumindest für die Partie in München – und Luka Stor zwei Offensivkräfte. Bis zum 31. Januar könnte Dynamo personell nachlegen.

„Wir sind mit der Zusammenstellung des Kaders, auch was den Zusammenhalt im Team betrifft, sehr zufrieden“, sagt Becker, schränkt aber selbst ein: „Wenn die Verletzten zurückkommen, ist alles gut.“ In den nächsten Tagen werde man das beobachten. „Falls es sich so entwickelt, dass gewisse Spieler länger ausfallen und wir auf einzelnen Positionen quantitativ und qualitativ ein Problem bekommen, würden wir uns durchaus die Option offenlassen, noch etwas zu machen.“

Trotz der erheblichen finanziellen Verluste in der Corona-Krise soll der sportliche Erfolg nicht riskiert werden, indem man Geld zurückhält wie vor dem Abstiegsjahr, anstatt es für notwendige Verstärkungen auszugeben. Zugleich schließt Becker nicht aus, ein, zwei Spieler zu verleihen, die bislang wenig Einsatzzeit hatten. Dafür kämen am ehesten Stürmer-Talent Simon Gollnack sowie der nach Schulter-Operation genesene Justin Leo Löwe infrage, wobei dessen Vertrag zuvor über den 30. Juni hinaus mindestens um ein Jahr verlängert werden müsste. So sehen es die Regularien für Leihgeschäfte vor.

"Wir verstecken uns hinter keinem Druck"

Was Neuzugänge betrifft, bleibt selbst der Trainer defensiv. „Da gibt es keinen Wunsch, das ist von der Vernunft geprägt“, meint Kauczinski. „Sollten wir das Gefühl haben, wir müssten etwas machen, werden wir reagieren.“ Wie Becker verweist er darauf, dass die Truppe gut harmoniert. Das nennt man Teamgeist – und der soll die Basis bleiben. Der Sportgeschäftsführer blickt sogar schon weiter voraus: „Wir haben eine Mannschaft zusammengestellt, mit der wir weiterplanen – egal, in welcher Liga wir spielen“, sagte er der Sport-Bild.

Das heißt: kein Umbruch bei Aufstieg. Wobei der offiziell eben inoffiziell bleibt. „Wir müssen uns nicht noch mal erklären oder definieren. Das machen schon genug andere Leute“, meint Becker. Dynamo war schließlich für die meisten von vornherein der Topfavorit. „Wir verstecken uns hinter keinem Druck. Wir wissen, was wir können und was wir selber von uns verlangen“, betont der Sportchef. „Wir wollen einfach am Montag unser Spiel gewinnen, das ist es, was entscheidend ist.“

Und schwierig genug wird, erst recht bei Aufsteiger Türkgücü, bei dem der angekündigte Rückzug des Investors zu Turbulenzen geführt hat. Das Angebot von Gäste-Geistertickets für die Partie boykottierten die Dynamo-Fans. Meldungen, das Spiel in München könnte deshalb ausfallen, trat Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny im Gespräch mit Sächsische.de entgegen. Kauczinski erwartet keine Auswirkungen auf die Mannschaft der Münchner. Spiele gegen Dynamo seien ohnehin für alle anderen etwas Besonderes. „Es wird keins geben, in dem sich der Gegner zurücknimmt – und das ist gut so, damit wir wachsam bleiben, achtsam sind und wissen: Wir dürfen nicht nachlassen.“ Dann klappt’s auch mit dem Aufstieg. Ohne davon zu reden.

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