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Wo sind die Alternativen in Dynamos Kader?

Nach der erneuten Niederlage, dem 1:2 in Saarbrücken, stellt sich die Frage nach dem Personal. Einige Spieler fehlen schon lange, bei zweien trägt der Verein eine Mitschuld.

Zwei, die zuletzt fehlten: Robin Becker (links) muss noch konditionelle Defizite aufholen, Julius Kade wird wohl für zwei Wochen ausfallen.
Zwei, die zuletzt fehlten: Robin Becker (links) muss noch konditionelle Defizite aufholen, Julius Kade wird wohl für zwei Wochen ausfallen. © Lutz Hentschel

Dresden. Es läuft noch nicht nach Wunsch bei Dynamo. Bei drei Niederlagen in den letzten vier Partien muss man – zumal am Beginn einer langen Saison – noch keine Krise herbeireden, eine Tendenz deutet sich aber schon an. Es sind nicht allein die Ergebnisse, die den Zweitliga-Absteiger beunruhigen sollten, sondern vor allem die Art und Weise, wie diese zustande kamen. Unverdient war jedenfalls keine der drei Dynamo-Niederlagen gegen Zwickau, Ingolstadt und Saarbrücken.

Bei der Suche nach Lösungen ist die naheliegende das Personal. Bei einem 26 Profis umfassenden Kader sollte es schließlich genügend Alternativen zu Spielern geben, die ihrer Normalform zuletzt hinterherliefen. Doch so groß ist die Auswahl gar nicht, und das liegt vor allem an Verletzungen. Zwar kehrten die lange ausgefallenen Marco Hartmann und Pascal Sohm wieder zurück, doch wie steht es um die anderen?

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Ein erfahrener Spieler wie Chris Löwe könnte der Mannschaft womöglich helfen. Der hatte in der Partie gegen den FSV Zwickau für einen großen Schreckmoment gesorgt. Nach einem groben Foul schrie der Linksverteidiger vor Schmerzen, wurde vom Platz getragen und noch am Abend umgehend im Krankenhaus untersucht. Nach Auswertung von Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) stand fest, dass der 31-Jährige Glück im Unglück hatte. Nicht ein Kreuzband war gerissen, sondern das Außenband.

Sechs Wochen Pause für Chris Löwe

Löwe geht jetzt schon ohne Orthese, also ohne Hilfsmittel zur Stabilisierung des Knies. „Wir sind da sehr zufrieden, aber sechs Wochen Pause muss man schon einplanen“, erklärt Dynamos Mannschaftsarzt Dr. Onays Al-Sadi. Läuft weiterhin alles nach Plan, könnte der Verteidiger Anfang Dezember wieder mit dem Team trainieren und noch in diesem Jahr spielen.

Noch länger ausgefallen ist Namensvetter Justin Löwe. Der Mittelfeldspieler hatte sich am Ende der Vorbereitung die Schulter ausgekugelt – und das nicht zum ersten Mal. Deshalb unterzog er sich einer Operation. „Er macht viele Übungen, auch zuhause. Ich bin zuversichtlich, dass er zeitnah die Freigabe fürs Mannschaftstraining erhält“, sagt der Mannschaftsarzt, der an der Uniklinik angestellt ist.

Auch bei Luka Stor war es die zweite Verletzung innerhalb kurzer Zeit an der gleichen Stelle. In der vergangenen Rückrunde, als der 22-Jährige an den slowenischen Erstligisten NK Aluminij Kidricevo ausgeliehen war, hatte er sich das Außenband im Fuß gerissen, Ende September dann das Innenband. „Dadurch tendiert das Sprunggelenk zur Instabilität, die Heilung dauert etwas länger“, erklärt Al-Sadi.

In der vergangenen Woche stieg Stor wieder ins Training ein, nach nur einem Tag verabschiedete er sich jedoch schon wieder - zur U21-Auswahl Sloweniens. Mit der bestreitet der Stürmer zwei Testspiele, Zeit zum – nach der längeren Pause so wichtigen – Training bleibt da kaum. Frühestens zur Partie gegen Hansa Rostock könnte Stor wieder für Dynamo auflaufen. Erstaunlich, dass der Verein dem Ansinnen des Spielers dennoch zugestimmt hat.

Kam das Comeback bei Robin Becker zu früh?

Bei Robin Becker ist die Sache kompliziert. Nach einem scheinbar auskuriertem Muskelfaserriss stand der Rechtsverteidiger gegen Zwickau 67 Minuten auf dem Platz, seitdem fehlt er erneut wegen Oberschenkelproblemen. Trainer Markus Kauczinski hatte erklärt, dass diesmal eine andere Stelle betroffen sei, doch das stimmt wohl nicht.

„Er hat offenbar ein geringeres Schmerzempfinden als andere Spieler, daher hat er selbst auch erst relativ spät die Symptome seiner Verletzung zur Kenntnis genommen“, meint Al-Sadi und räumt ein: „Wir hätten da womöglich eher eingreifen müssen.“ Inzwischen sei er absolut beschwerdefrei, habe aber noch konditionelle Defizite. Wenn die aufgeholt sind, fällt eine Großbaustelle weg. Max Kulke und zuletzt Kevin Ehlers hatten Becker vertreten, aber nicht überzeugt. Was auch daran liegen könnte, dass sie keine Rechtsverteidiger sind.

Überraschend fehlte in Saarbrücken Julius Kade, der nach zwei überzeugenden Leistungen nicht mal am Kader stand. Den Grund für sein Fehlen wollte der Trainer nicht nennen. Bei Dynamo müssen derzeit drei Angestellte nach positiven Covid-19-Tests für jeweils zwei Wochen in häusliche Quarantäne.

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Kauczinski dürfte sich freuen, wenn bald wieder mehr Alternativen im Kader zur Verfügung stehen. Ob das allein schon reicht, um die Ergebnis- und Leistungsdelle auszubügeln, muss sich allerdings erst noch zeigen.

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