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Corona-Kontrolle vor Dresdner Bioladen

Die Verbrauchergemeinschaft Dresden hat am Wochenende mit Protesten von Maskengegnern aus der eigenen Kundschaft gerechnet. Wie es dazu kam.

Vor dem Geschäft der Verbrauchergemeinschaft in der Dresdner Neustadt überwachte die Polizei am Sonnabend das Geschehen.
Vor dem Geschäft der Verbrauchergemeinschaft in der Dresdner Neustadt überwachte die Polizei am Sonnabend das Geschehen. © Sven Ellger

Dresden. Punkt 14 Uhr fährt die Polizei vor. Mit einem Transporter biegen die Beamten in die Einfahrt zu einem Bioladen ein, den sie an diesem Sonnabend kontrollieren müssen. Denn Demonstranten haben sich angesagt. Per Internet haben sie sich verabredet.

Ihre Aktion richtet sich gegen die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Das wollen sie nicht in ihrem Lieblingsgeschäft, einem Laden der Verbrauchergemeinschaft Dresden (VG). "Vielleicht sollten wir alle in den Laden gehen und dann die Masken abnehmen", haben sie sich zuvor überlegt - in einer geschlossenen Gruppe auf der Plattform Telegram.

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Protestaktion schon am Freitag

Die Polizei wusste schon am Freitag von der geplanten Aktion. Nachdem sich Maskengegner zum Protest vor dem Geschäft der VG an der Reicker Straße in Strehlen getroffen hatten, war dort binnen kürzester Zeit die Polizei aufgetaucht. Marktleiter Matthias Schwarzwälder hatte die Beamten gerufen, etwa ein Dutzend Polizisten fuhren daraufhin zu dem Geschäft.

Als sie ankamen, war von den Protestierern nichts mehr zu sehen. "Eine Frau wollte Handzettel im Laden verteilen", hat Schwarzwälder mitbekommen. Doch auch daraus wurde nichts.

Die Polizei muss am Sonnabend trotz Ankündigungen von Protesten nicht eingreifen.
Die Polizei muss am Sonnabend trotz Ankündigungen von Protesten nicht eingreifen. © Sven Ellger

Danach ging die Post ab in der Internet-Gruppe, in der sich die Maskengegner treffen. "Weltoffene VG Dresden" heißt der geschlossene Kreis bei Telegram, in dem nur zugelassen wird, wer den Administratoren recht ist. Hintergrund ist eine Regelung, die der Vorstand der Genossenschaft beschlossen und am Mittwoch veröffentlicht hat. In den sieben VG-Läden gilt demnach "generell" die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. "Ausnahmen von dieser Tragepflicht gelten nur noch für Inhaber eines Schwerbehindertenausweises und für Kinder im Vorschulalter", heißt es weiter.

Immer mehr Kunden mit Masken-Attesten

In den vergangenen Wochen habe die Zahl der Anfragen und Beschwerden von Kunden zugenommen, die sich in den Läden nicht mehr wohlfühlen, erklärt Vorstand Peter Jacobi, der bei der Genossenschaft für den Gesundheits- und Arbeitsschutz zuständig ist. Es seien zu viele Menschen ohne Masken in den Läden gewesen. "In unserem Geschäft an der Jahnstraße gab es Zeiten, da waren dort fünf Menschen ohne Maske. Das ist ein Viertel der Kunden, die zurzeit gleichzeitig in den Laden dürfen".

Außerdem beobachteten VG-Leitung und Mitarbeiter zuletzt eine neue Entwicklung. "Die Zahl der Kunden mit einem Masken-Attest hat deutlich zugenommen", sagt Jacobi. Was er nicht sagt, aber damit ausdrückt: Weder der Vorstand noch die Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass alle diese Atteste echt sind. "Wir bekamen Nachrichten, weil sich die Kunden, die Masken tragen, nicht mehr wohlfühlen", sagt der Gesundheitsverantwortliche der VG.

Die Konsequenz daraus war die neue Maskenregel, die nun ab Montag für alle gilt. Auch für Menschen mit einem Attest, das ihnen erlaubt, keinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Wollen sie Produkte aus den Geschäften kaufen, müssen sie damit dann andere VG-Mitglieder beauftragen. Oder sie setzen für die Minuten im Geschäft trotz Attest eine Maske auf.

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"Der Sturm ging gleich los", erinnert sich Jacobi an die Zeit am Mittwoch, zu der die neue Regel veröffentlicht wurde. Neue Beschwerden gingen ein, dieses Mal ging es um die neue Regel. Viele kamen ohne Klarnamen. Auch in der Telegram-Gruppe war seitdem Betrieb. "Das einzige was hier noch hilft, ist die VG zu verklagen", heißt es dort. "Wenn ich in meinem Laden jemanden nötige diesen Lappen zu tragen und derjenige kollabiert, hafte ich als Ladeninhaber", meint eine Frau, die sich in der Telegram-Gruppe Heike nennt. Vorläufiger Höhepunkt war die Protestaktion am Freitag in Strehlen.

Viel Betrieb vor dem VG-Laden

An diesem Sonnabend ist die Polizei nun gewarnt. Die Beamten haben von den VG-Verantwortlichen den Hinweis bekommen, dass es Ärger geben könnte. Deshalb sind sie zu dem Geschäft hinter dem Hotel an der Ecke Hansastraße/Fritz-Reuter-Straße gefahren.

Dort stehen die Kunden zu dieser Zeit im Dutzend Schlange vor der Tür. Fast alle tragen dabei schon einen Mund-Nasen-Schutz. Drinnen ist es voll, nur 35 Personen dürfen derzeit zugleich in das knapp 800 Quadratmeter große Geschäft. Geregelt wird der Zugang wie auch in anderen Lebensmittelläden über die Zahl der verfügbaren Einkaufswagen.

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Auch Vorstand Peter Jacobi ist da. Eine Handvoll junger Männer, allesamt größtenteils schwarz gekleidet und optisch dem linken Spektrum zuzuordnen, ist wohl gekommen, um ihrerseits zu protestieren, sollten Maskengegner auftauchen. Sie vermuten offenbar, dass es sich bei den Gegnern der Schutzmaßnahme um Anhänger der sogenannten "Querdenken"-Bewegung handeln könnte, gegen die sie Front machen wollen.

Doch es bleibt ruhig an diesem Sonnabendnachmittag. Die Polizei muss nicht eingreifen. Doch die VG-Verantwortlichen sind gewarnt. Dass es an diesem Sonnabend keinen Protest gibt, auch nicht vor oder in einem der anderen sechs VG-Läden, heißt nicht, dass sie nun nicht mehr mit Kritik an der neuen Maskenregel rechnen müssen. Die greift aber so oder so am Montag, wenn die Geschäfte der Verbrauchergemeinschaft Dresden wieder öffnen.

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