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Bei Dynamo sitzt die Qualität auf der Tribüne

Im ausgeglichenen Kader liegt der Grund für Dresdens Dominanz. Für den Aufstieg könnte das entscheidend sein. Der erste Gegner gratuliert schon.

Prominent besetzt ist die Tribüne, wo derzeit die Wechselspieler sitzen - auch Marvin Stefaniak (vorn links).
Prominent besetzt ist die Tribüne, wo derzeit die Wechselspieler sitzen - auch Marvin Stefaniak (vorn links). © photoarena/Thomas Eisenhuth

Dresden. Nach 16 Spieltagen, also nicht mal der Hälfte der Saison, einem Verein bereits zu Meisterschaft, Aufstieg oder beidem zu beglückwünschen, ist mehr als mutig. Guerino Capretti, Trainer des SC Verl, hat gerade mit 1:4 bei Dynamo verloren und scheint noch ein bisschen berauscht zu sein vom Auftritt des Gegners. Doch nicht von der Dominanz, sondern von der Kaltschnäuzigkeit. Deshalb baut er in seine Glückwünsche auch eine Klausel ein: „Wenn ihr weiter so effizient bleibt, dann gratuliere ich schon mal“, sagt Capretti.

Aus wenigen Chancen viele Tore machen – darin ist der Spitzenreiter tatsächlich bereits meisterhaft. „Da können wir uns was abgucken. Dynamo ist mega geradlinig und mega effektiv, eine Spitzenmannschaft, die zu Recht auf Platz eins steht“, beendet der Verler Trainer seine Lobhudelei, die aber überhaupt nicht so rüberkommt. Vielmehr ist es die ehrliche Anerkennung eines Fachmanns.

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Allein ist Capretti mit seiner Einschätzung nicht. Bereits vor Beginn der Drittliga-Saison hatten 16 von 19 Trainern Dynamo als ersten Aufstiegsfavoriten genannt. Gegen Ende der Hinrunde zeichnet sich immer mehr ab: Sie könnten recht behalten. Kauczinski hatte, auf das Ergebnis der Umfrage angesprochen, Mitte September mit einem Grinsen erklärt, dass er es „immer genauso machen würde: den Absteiger als erstes nennen".

Mag sein, dass dies bei seinen Kollegen eine Rolle spielte, doch ausschlaggebend war bei den Expertisen ein Punkt: die Qualität des Kaders. Der macht auf lange Sicht den Unterschied aus. Und da hat Dynamo, dies wurde beim Sieg gegen Verl einmal mehr deutlich, den mit Abstand stärksten.

Die Dresdner können, und das unterscheidet sie von den Konkurrenten, den Ausfall von Leistungsträgern am besten kompensieren. Seit fast zwei Monaten fehlt mit Chris Löwe der Spieler mit Premier-League-Erfahrung. Seine beiden Verteidiger-Kollegen, Routinier Marco Hartmann und Kapitän Sebastian Mai, mussten in den beiden vergangenen Spielen pausieren. Die Folge? Dynamo hat die beste Defensive der Liga. „Dass wir es geschafft haben, die beiden zu ersetzen, ist nicht selbstverständlich“, erklärte Kauczinksi nach dem Sieg gegen Verl. „Tim Knipping führt jetzt mehr das Wort und Kevin Ehlers hat sich reingekämpft, wird immer stärker. Es ist stark, wie die Jungs da reinwachsen.“

Die Einwechsler treffen und überzeugen gegen Verl

Während der Trainer die Defensive vor allem wegen Verletzungen und Sperren umbauen muss, rotiert er in der Offensive freiwillig. Auf drei Positionen hatte er die Startelf im Vergleich zum 3:1-Sieg in Halle verändert. Patrick Weihrauch gehörte wieder dazu, erzielte das 2:1 selbst und bereitete das 3:1 vor. Philipp Hosiner überzeugte mit zwei Assists, nur der Dritte im Bunde, Agyemang Diawusie, war an keinem der vier Treffer beteiligt.

Dafür erzielte Ransford-Yeboah Königsdörffer ein Jokertor, der eingewechselte Christoph Daferner leitete das 2:1 ein und Marvin Stefaniak, gegen Halle noch in der Startelf, vergab kurz vor Schluss eine Großchance. „Wir mussten viel gegen den Ball arbeiten, da ist es immer gut, wenn die, die von der Bank kommen, frischen Wind reinbringen“, lobte Weihrauch.

Die Bankdrücker, die in Corona-Zeiten auf der Tribüne sitzen, fallen nicht ab. Und sie sorgen offenbar auch nicht für schlechte Stimmung in der Kabine. Die Reserve bei Laune zu halten, ist die größte Kunst bei einem Luxuskader, wie ihn Dynamo – gemessen am Niveau der 3. Liga – hat. Die Grundlage dafür wurde bereits bei der Zusammenstellung der Mannschaft gelegt, als nicht allein die fußballerischen Qualitäten eine Rolle spielten, sondern auch die charakterlichen. Zudem hat Kauczinski offenbar ein Händchen dafür, keine Unruhe aufkommen zu lassen.

26 Profis umfasst sein Kader, 22 kamen bisher zum Einsatz. Lediglich der dritte Torwart Stefan Kiefer (19 Jahre), Verteidiger Maximilian Großer (19), Stürmer Simon Gollnack (18) und der gerade erst von einer komplizierten Schulterverletzung zurückgekehrte Justin Löwe (21) warten noch auf ihre Chance. Mit 22 eingesetzten Spielern liegt Dynamo in dieser Statistik auf einem Mittelfeldplatz, bei der U23 des FC Bayern sind es schon 29, beim Stadtrivalen 1860 München erst 19.

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„Für jeden kommt die Zeit, wir brauchen jeden, gerade in den englischen Wochen“, meint Kauczinski. Die nächste folgt schon, nach der Auswärtspartie am Samstag bei Viktoria Köln empfängt Dynamo drei Tage später Darmstadt 98 im DFB-Pokal. Ganz sicher wird dann wieder rotiert, womöglich erneut erfolgreich.

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